Anonyme Spurensicherung

Personen, denen Gewalt widerfahren ist, haben die Möglichkeit, die Spuren der Tat  zeitnah und anonym sichern zu lassen. Dies hängt nicht davon ab, ob sie sich später dazu entscheiden, Anzeige zu erstatten und so ein Gerichtsverfahren anzustreben. Insbesondere Verfahren, bei denen es sich um eine Aussage-gegen-Aussage-Situation, ohne weitere Beweise handelt, werden häufig eingestellt.

Liegen jedoch Beweise, wie bspw. Fotos oder eine rechtssichere ärztliche Dokumentation der Verletzungen vor, kann dies verhindert werden. Dadurch wird den Betroffenen die Möglichkeit gegeben, sich in Ruhe zu überlegen, ob sie Anzeige erstatten möchten oder nicht. Bitte beachten Sie, dass die anonyme Spurensicherung keine Garantie für ein erfolgreiches Strafverfahren ist, es handelt sich lediglich um eine rechtssichere Dokumentation der  Spuren einer Tat. 

Solche Spurensicherungen sind in einigen Kliniken oder sogenannten Gewaltschutzambulanzen möglich. Allerdings sind diese Angebote in Deutschland nicht flächendeckend und die Situation unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. 

Seit dem 01.03.2020 werden die Leistungen zur vertraulichen Spurensicherung durch Krankenkassen übernommen. Für mehr Informationen  siehe   https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__27.html.

Das durch die Europäische Union und das Gesundheitsministerium Nordrhein-Westfalen geförderte Projekt iGOBSIS-pro ermöglicht eine standardisierte und flächendeckende Gewaltopferversorgung in Nordrhein-Westfalen. Teilnehmende Klinik- und Praxis-Ärzt*innen werden mithilfe eines intelligenten Gewaltopfer-Beweissicherungs- und Informations-Systems (iGOBSIS) durch die Untersuchung, Asservateentnahme und gerichtsfeste Dokumentation geleitet. Die anschließende Abholung und Lagerung der Asservate erfolgt durch das Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Düsseldorf, wo derzeit in Weiterentwicklung der iGOBSIS-Idee ein interdisziplinäres Gewaltopferzentrum aufgebaut wird.

Neben ausführlichen und frei zugänglichen Anleitungen und Empfehlungen für Ärzt*innen finden sich auf der Homepage auch weitergehende Informationen für Betroffene: www.gobsis.de.